20 Jahre Engagement für den Fairen Handel
Während die Nachfrage nach Kakao stetig wächst – und Schokolade bei uns lange Zeit sehr günstig war – sind die Arbeitsbedingungen in vielen Anbauländern oft schlecht: geringe Löhne, lange Arbeitszeiten und kaum soziale Absicherung. Der Aktionskreis Fairer Handel – vor über zwanzig Jahren von Vertreter:innen der evangelischen und katholischen Kirche ins Leben gerufen – war über viele Jahre hinweg der sichtbare Motor des Fairen Handels in Lünen. Seine Idee ist so einfach wie kraftvoll: Menschen dafür zu gewinnen, mit ihrem Konsum Haltung zu zeigen – durch Information, Dialog und den Verkauf fair gehandelter Produkte. So kann jede und jeder dazu beitragen, dass Kleinbauernfamilien sowie Plantagen- und Fabrikarbeiter:innen im globalen Süden ein existenzsicherndes Einkommen erhalten und ihr Leben aus eigener Kraft verbessern können. Viele Lünerinnen und Lüner kennen den Aktionskreis noch aus dem eigenen Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt, der jahrelang ein Treffpunkt für Gespräche, Entdeckungen und fairen Genuss war. Auch heute ist der Aktionskreis auf zahlreichen lokalen Veranstaltungen präsent, etwa auf dem Weihnachtsmarkt oder bei Stadtfesten. Darüber hinaus arbeitet er eng mit Schulen, Kitas, Vereinen und Initiativen zusammen. Gemeinsam entstehen Aktionen, Ausstellungen, Filmabende, Faire Frühstücke, Fair Cafés, Lesungen und vieles mehr – stets mit dem Ziel, Fairness erlebbar zu machen. Als engagierter Impulsgeber hat der Aktionskreis zudem die Kampagne “Fair Trade Towns” in Lünen maßgeblich angestoßen und damit geholfen, den Fairen Handel auf kommunaler Ebene zu stärken und dauerhaft zu verankern.

Mit viel Engagement und sehr fair - Flower Power in Lünen
Vom Luxusgut zur Massenware - Von der Kakaobohne zur Schokoladentafel
Schon lange vor der europäischen Expansion war Kakao in Mittelamerika von großer Bedeutung. Die Olmeken, Maya und Azteken verehrten die Bohne als heilig und nutzten sie zugleich als Zahlungsmittel. Mit der kolonialen Eroberung Amerikas gelangte die Schokolade nach Europa, wo sie zunächst ein exklusives Getränk des Adels blieb. Erst durch die Industrialisierung entwickelte sie sich im 20. Jahrhundert zur erschwinglichen Massenware. Heute zählt Deutschland zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch weltweit.
Die Kakaopflanze stammt ursprünglich aus Mexiko und den tropischen Regionen Amerikas. Ab dem 17. Jahrhundert legte die spanische Kolonialmacht dort Plantagen für den Export an und setzte dafür versklavte Menschen aus Afrika ein. Im späten 19. Jahrhundert verbreiteten europäische Kolonialmächte den Kakaoanbau nach Afrika; inzwischen stammen rund 70 % der globalen Ernte aus der Elfenbeinküste und Ghana.
Die Ernte erfolgt bis heute überwiegend per Hand: Die Kakaofrüchte werden geöffnet und die von weißem Fruchtfleisch umhüllten Bohnen entnommen. Um Bitterstoffe abzubauen und das Aroma zu entwickeln, fermentiert und trocknet man sie mehrere Tage lang, bevor sie in Jutesäcken nach Europa transportiert werden. Dort werden die Bohnen geröstet, geschält und gebrochen. In diesem Prozess entstehen Kakaobutter und dunkle, aromatische Feststoffe – die zentralen Grundzutaten der Schokolade.
16. September 2017 – Stadt Lünen rezertifiziert: Für faire Bananen und nachhaltige Standards. Foto: Blome
16. September 2017 – Stadt Lünen rezertifiziert: Für faire Bananen und nachhaltige Standards. Foto: Blome
Lünen zeigt Haltung: Siebenfach ausgezeichnet als Fairtrade Town ("Stadt des fairen Handels")
Der Titel „Fairtrade Town Lünen“ wird seit 2011 immer wieder dank des großen ehrenamtlichen Engagements der Lüner Akteur:innen des Fairen Handels verliehen. Diese Auszeichnung ist weit mehr als ein Siegel: Sie ist ein sichtbares Zeichen für gelebte Verantwortung und für die kraftvolle Vernetzung von lokaler Wirtschaft, Handel, Schulen, Politik und Zivilgesellschaft. In diesem Jahr durfte Lünen die Ehrung bereits zum siebten Mal entgegennehmen – ein Ausdruck dafür, wie fest der Faire Handel in der Stadt verankert ist und wie viele Menschen sich hier gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit einsetzen.
Mit jedem Einkauf von Kaffee, Tee, Schokolade und Pralinen, von Orangen oder Blumen wählen wir nicht nur ein Produkt – wir wählen eine Haltung. Wer zu GEPA-Produkten greift, entscheidet sich bewusst für Fairness, Würde für Produzent*innen und Respekt für unsere Umwelt. Getragen wird dieses Engagement von einem großen gemeinsamen Leitbild: den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) – für eine Welt, in der alle gut leben können.
Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) bilden einen gemeinsamen Plan für eine gerechtere und lebenswerte Zukunft. Sie umfassen das Ende von Armut und Hunger, gute Gesundheit und hochwertige Bildung für alle, die Gleichstellung der Geschlechter sowie den Zugang zu sauberem Wasser und bezahlbarer, nachhaltiger Energie. Außerdem setzen sie sich für menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, für Innovation und belastbare Infrastruktur sowie für weniger Ungleichheiten ein. Weitere Ziele sind nachhaltige Städte und Gemeinden, verantwortungsvoller Konsum und Produktion sowie wirksamer Klimaschutz. Die SDGs schützen zudem das Leben unter Wasser und an Land, fördern Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen und stärken globale Partnerschaften, damit diese Ziele gemeinsam erreicht werden können.